Was heißt "ökologisch Bauen" eigentlich konkret?

Grüne Immobilien sind gefragt. Alles öko, na klar! Aber was bedeutet "ökologisch Bauen" konkret? Wir fragten Helmut Holl, Geschäftsführer von Baufritz Holzbausysteme und absoluter Experte auf diesem Gebiet.

Seit 36 Jahren befasst sich Helmut Holl, 65 Jahre, verheiratet und dreifacher Familienvater, schon mit der Ökologie beim Bauen und Wohnen.

UDI: Herr Holl, der Name Baufritz steht ja für Holzbauweise und Ökologie bei Gebäuden. Wie kamen Sie eigentlich zu dem Thema?

Durch einen traurigen Anlass - die Firmeninhaberin, Frau Fritz senior, erkrankte in den 1980er Jahren an Krebs. Die Ursache der Krankheit wurde auf die in ihrem Haus verwendeten Baumaterialien zurückgeführt, vor allem auf giftige Farben. Frau Fritz bekämpfte den Krebs nicht medizinisch, sondern mit alternativen Heilmethoden. So entstand auch viel Kontakt mit der alternativen Szene und deren Denkweise, die erst auf die Familie und dann auch auf die Firma übergegangen ist. Wir haben in der Firma konsequent begonnen, den Hausbau ökologisch auszurichten. Zu der damaligen Zeit hat sich noch kaum jemand mit Bau-Ökologie befasst, wir waren Pioniere.

UDI: Energieeffizienz, Energiesparhaus, Holzhaus ...viele Schlagworte fallen spontan ein. Was macht eigentlich den Unterschied zwischen konventioneller und ökologischer Bauweise aus?

Ganz einfach - das Wohnklima macht den Unterschied. Es sollten nur Baumaterialien eingesetzt werden, die möglichst keine Ausdünstungen (VOC) in den Raum haben. Möglichst kein Einsatz von Pestiziden, Pflanzschutzmitteln und Weichmachern - oft bei Bauteilen aus Kunststoff zu finden. Das erreicht man mit möglichst viel Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen wie Holz. Ein Baustoff, der auch bei der Herstellung viel weniger Energie benötigt als andere Baustoffe. Darüberhinaus speichert Holz CO2 ein und hilft damit unser Klima zu verbessern. Ein Baufritz Einfamilienhaus speichert ca. 40 Tonnen CO2.
Der andere wichtige Unterschied: der Schutz vor elektrischen Strahlungen. Die sieht man nicht, hört sie nicht, riecht man nicht. Aber sie verändern das Blutbild. Damit sich der Körper erholen kann, braucht er Regenerationsphasen. Diese sind vor allem nachts, während des Schlafes. In den Baufritz-Häusern gibt es Schutz auf zwei Arten: einmal den "Hochfrequenzschutz". Damit sind Strahlen von Handymasten oder Bahnlinien gemeint. Diese Hochfrequenzstrahlung ist in den letzten Jahren um mehr als das 1000fache gestiegen. Das Schlimme: die Sender sieht man oft nicht, sie sind häufig versteckt in Gebäuden (z.B. Kirchtürmen), und senden mit extrem hoher Leistung - damit auch der letzte Winkel in Deutschland mit Handyempfang abgedeckt ist. Wir schirmen in unseren Gebäuden Außenwände und Dach ab - so bleibt in der Regel der Handyempfang möglich, obwohl 98 % der Strahlung absorbiert wird. Der zweite Schutzansatz ist der Schutz vor dem "eigenen Elektrosmog" durch elektrische Wechselfelder. Die eigene Elektroinstallation im Haus wird mit abgeschirmten Kabeln installiert, sowie mit Netzfreischalter für die Schlafräume, die dann srtomfrei sind, wenn kein Verbrauchsgerät eingeschaltet ist.

UDI: Genau, in unserer Umfrage wurde ja auch häufig der Wunsch "strahlungsarm" genannt. Immer mehr Menschen sind sich bewusst, dass Elektrosmog, WLAN, schnurlose Telefone durch ihre Strahlung das Wohlbefinden beeinträchtigen. Was kann man selbst zusätzlich tun, um die Strahlungsbelastung in seinem Umfeld zu reduzieren?

Das einfachste: WLAN über Nacht abschalten, wenn man sowieso schläft. Man kann auch komplett auf WLAN verzichten, und stattdessen übers Strometz "andocken". Bei Funktelefonen sollte man darauf achten, dass es keine Dauersender sind.

UDI: Warum ist Holz so ein geeignetes Baumaterial?

Da gibt es viele viele Vorteile! Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, damit wird die Nutzung die Natur nicht geschädigt. Holz erzeugt ein einzigartiges Raumklima. Mit Holz kann man diffusionsoffen bauen. Es riecht gut. Holz hat eine im Vergleich zu anderen Baumaterialien sehr hohe Oberflächentempatur. Und zu guter Letzt: ein Raum in Holzbauweise heizt sich schnell auf - wenn man tagsüber außer Haus ist, kann man die Raumtemparatur deutlicher absinken lassen, das Hochheizen geht schnell. Durch den Einsatz der schweren Holzdämmung erreicht man einen höherer sommerlichen Hitzeschutz, als mit leichten Isoliermaterialien wie Polystyrol oder Mineralwolle.

UDI: Aus welchen Regionen beziehen Sie das Holz für die Baufritzhäuser?

In der Regel aus Süddeutschland und Österreich. Das Holz für die sichtbaren Schalungen stammt wegen optischer Gründe aus Skandinavien, da dortiges Holz durch die kargen Böden und die Witterung enger gewachsen ist.

UDI: Welche Hausgrößen können in der Holzbauweise errichtet werden? Und ab welcher Größe kommt Holz an seine Grenzen? Ab welcher Hausgröße geht es ohne Beton nicht oder nur schwierig, welche Bauteile betrifft das und warum ist das so?

Grundsätzlich kann man bis zu 3 Geschossen komplett in Holzbauweise errichten. Ab 4 Geschossen ginge es auch noch, ist aber aus Kosten- und Statikgründen nicht mehr sinnvoll. Dann bietet sich die Hybridbauweise mit Beton für die tragenden Bauteile und Holz für die Wände an.

UDI: Gut, das Hauptbaumaterial ist Holz. Aber wie sieht es mit dem Imprägnieren aus, hier werden doch in der Regel ökologisch, um nicht zu sagen, gesundheitlich bedenkliche Stoffe eingesetzt?

Wir verzichten bereits seit 1988 auf chemischen Holzschutz. Und setzen auf konstruktiven Holzschutz - denn Holz, das feucht wird, kann so immer wieder abtrocknen. Seit 1990 ist dies auch zulässig (DIN 68800). Holzschutzmittel werden nur aus optischen Gründen, und nur auf Kundenwunsch, außen eingesetzt, um die Gebäude farblich zu behandeln. Diese Farben enthalten nur Pigmente und besitzen keine chemischen Substanzen zur Schädlingsbekämpfung.

Zur Imprägnierung / Isolierung verwenden wir Molke und Soda. Molke kennt man ja aus der Käseherstellung; die enthaltenen Eiweißelemente wandeln sich im Brandfall in Stickstoffverbindungen und wirken so brandhemmend. Soda schmeckt seifig, das mögen Pilze und Insekten so gar nicht.

UDI: Weiter geht es mit dem Dämmmaterial - was verwenden Sie? Sie hatten da so eine nette Geschichte erzählt, wie Sie damals verschiedene Materialien testeten und auf das heutige Verfahren kamen ...

Als wir auf ökologisches Bauen umgestellt haben, gab es kaum natürliche Dämmmaterialien. Begonnen haben wir deshalb mit Kork von der Korkeiche. Hier gab es verschiedenen Nachteile: der Kork kam aus Portugal (lange Wege, hohe Kosten), war nicht in genügender Menge vorhanden, riecht intensiv und schwindet über die Zeitdauer. Dann haben wir Holzwolle, mit Borsalz imprägniert, getestet - Letzteres ist aber leider erbgutschädigend.
Zuerst wurde die Holzwolle von Hand eingestopft. was sehr aufwändig und bauphysikalisch nicht optimal war. Deshalb wechselten wir auf maschinell eingebrachte und mit dem natürlichen Molke/Soda-Gemisch imprägnierte Hobelspäne als Isoliermaterial. Nach wirklich hunderten von Versuchen wissen wir nun, welche Stärke und Größe sich am besten für eine gute Wärmedämmung eignet. Bei der Verdichtung haben wir uns an der "Schafmethode" orientiert. Wussten Sie, wie Landwirte ihre Feldwege verdichtet haben? Sie trieben eine Schafherde hin und her. Haben Sie schon einmal gesehen, wie stark ein Weideboden verdichtet und verhärtet ist, wenn eine Schafherde darüber getrippelt ist? Genau diese Art des "dichten Hufsetzens" nutzen wir für die Verdichtung. Darauf hat uns damals ein Landwirt aus der Nähe gebracht …

UDI: Welche weiteren Materialien setzen Sie bei Baufritz beim Hausbau ein?

Alle eingesetzten Materialien werden offenporig verbaut. Auf lackierte Flächen wird verzichtet, ebenso auf bestimmte Farben (wie Dispersionsfarbe) an den Wänden.

UDI: Welche Gewerke übernehmen Sie als Baufritz und kommen auch regionale Handwerksbetriebe zum Einsatz? Wie wählen Sie diese aus?

Wir können je nach Wunsch vom Holzbau bis schlüsselfertig alles leisten. Bei "schlüsselfertigem Auftrag" arbeiten wir mit unseren fixen Partner, die wir seit langen Jahren kennen und nach ökologischen und Zuverlässigkeitsaspekten ausgewählt haben, zusammen. Gern können wir aber auch nur den Holzbau erstellen, und z.B. für Ausbauleistungen werden dann örtliche Partner eingebunden.

UDI: Und wie lange dauert der Hausbau mit Baufritz im Gegensatz zur konventionellen Bauweise?

Ein normales Einfamilienhaus ist nach 1 Tag regendicht. Bis zum Einzug sollte man aber schon 4 bis 5 Monate rechnen.

UDI: Was für Vorteile haben Bewohner und/oder Eigentümer eine sogenannten Öko-Immobilie?

Sie leben in einem wunderschönen Raumklima. Es gibt keinerlei Gefahr von Altlasten. Sie setzen sich keiner Gefahr durch Emission oder Elektrosmog aus - die Gesundheit und die Lebensqualität dankt es. Und solche ökologischen Immoblien haben eine viel höhere Wertbeständigkeit.

UDI: Vielen Dank für das Interview, Herr Holl!

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