Analyse: Deutscher Strompreis

Der Strompreis ist inzwischen ein ähnlich aufmerksamkeitsstarker Preis wie der Benzinpreis. Jede Änderung wird heiß diskutiert, generell wird er - natürlich - als viel zu hoch empfunden. Fakten, Hintergründe, Details:

Anstieg um 70,4 %
Seit 1998 ist der durchschnittliche Strompreis für einen Haushalt (Jahresverbrauch 3.500 kWh) von 17,11 Cent auf 29,16 Cent gestiegen.

Zweithöchster Strompreis für Private in den EU-Staaten
2016 war Strom für Privatnutzer nur in Dänemark noch teurer: rund 31 Cent je kWh. Am wenigsten zahlten die Kunden in Ungarn (11 Cent), Polen (13 Cent) und Tschechien (14 Cent) - alles Länder mit starkem Einsatz von Kohle- und Atomkraftwerken. Der Durchschnittspreis in den 28 EU-Ländern betrug 21 Cent/kWh.

Industrie in Deutschland zahlt nur die Hälfte
Industrieller Stromnutzer müsste man sein ... deren Preis betrug 2016 mit 15 Cent je kWh nur die Hälfte des Preises für Privatkunden. Damit lag Deutschland gemeinsam mit Italien an der Spitze, gefolgt von Großbritannien mit 14 Cent. Interessanterweise hat hier neben Polen, Tschechien, Ungarn vor allem Schweden Tiefstpreise - nur 6 Cent/kWh. Der EU-Durchschnittspreis belief sich auf 12 Cent. Damit lag Deutschlands "Industriestrom-Preis" 25 % höher, bei Privaten jedoch 41 % höher als der Durchschnitt. Grund für den niedrigeren Industriepreis sind zum einen günstige Beschaffungskosten für Großabnehmer, zum anderen aber auch die vielen Befreiungen für "energieintensive Betriebe". Diese haben letztes Jahr in Summe über 17 Mrd. Euro betragen!

Zusammensetzung Strompreis für Private
Preis für Strombeschaffung deutlich gesunken

Aktuell sind es 55 % Steuern, Abgaben und Umlagen. Regulierte Netzentgelte tragen 25,7 % bei und der über den Markt bestimmte Preis für Strombeschaffung und Vertrieb ganze 19,3 %! Nämlich 5,63 Cent je kWh; damit ist er gegenüber seinem Höchststand 2010 mit 8,16 Cent um rund 31 % gesunken. Ein Rückgang, der zeigt: die Stromerzeugung wird immer preiswerter.

Hoher Preisbestandteil "Abgaben"
Die 16,05 Cent/kWh für Steuern, Abgaben und Umlagen setzen sich zusammen aus: Mehrwertsteuer 4,66 Cent und Stromsteuer 2,05 Cent - macht zusammen schon 23 % des gesamten Strompreises aus! Die EEG-Umlage mit 6,88 Cent bedeutet ebenfalls runde 23 %. Der Rest zu den 55 %-Punkten machen die Umlage für abschaltbare Lasten, die KWKG-Umlage, die Konzessionsabgabe, die § 19 StromNEV-Umlage und die (2017 negative) Offshore-Haftungsumlage aus.

Fazit
Der medienwirksame Ruf nach "Strom muss bezahlbar bleiben" könnte sehr viel schneller gelöst werden, wenn man entweder weniger Betriebe von der Zahlung der EEG-Umlage befreit, oder generell die Abgabenlast reduziert. Hier könnte Politik gemacht werden, zum Beispiel mit Steuerreduktion oder gar Steuerbefreiung für die Nutzung grünen, sauberen Stroms. Oder eine Steuer in Abhängigkeit von dem Anteil Ökostroms am gesamten Stromverbrauch.

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V., EU-Kommission, eigene Berechnungen

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